Donnerstag, 10. Juli 2008 by internetundpolitik
Auch ich durfte meine sprichwörtlichen zwei Cent zu diesem Sommerlochthema beisteuern, nachzulesen bei ZEIT Online: Ausweitung der Wahlkampfzone. Bei der Erstellung des Textes stand auch kurzzeitig das platte “Obama auf der Fanmeile” in der Überschriftszeile - gestern abend durfte man in den Tagesthemen die visuelle Umsetzung durch die famose Grafik-Abteilung der ARD bestaunen.
Schlagworte: Berlin, Brandenburger Tor, Fanmeile, Obama
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Dienstag, 8. Juli 2008 by internetundpolitik
In diesen Tagen ist bei der Columbia University Press die Neuauflage des Standardwerks über TV-Debatten im US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs erschienen - Presidential Debates: Fifty Years of High-Risk TV.

High-Risk-TV: Alan Schroeder beschreibt die Geschichte der amerikanischen TV-Debatten
Alan Schroeder, Associate Professor an der School of Journalism der Northeastern University in Boston, skizziert darin die Geschichte der hierzulande fälscherweise als “TV-Duelle” bekannten Wahlkampf-Gesprächsrunden. Begonnen bei der Great Debate von 1960 zwischen Kennedy und Nixon arbeitet sich Schroeder bis zu den eher mauen Konfrontationen von George W. Bush mit John Kerry durch.
Das ist unterhaltsam zu lesen und zugleich lehrreich: Schroeder zerlegt den Debattenprozess in Vorlauf (pre-debate), Durchführung (debate) und Nachbereitung (post-debate) und erhält so drei analytisch voneinander getrennte Untersuchungseinheiten. Auffällig aus der deutschen Perspektive ist dabei die Bedeutung der Commission on Presidential Debates, die als Clearing-Stelle zwischen den Teilnehmer/innen fungiert und für die logistische Organisation der medialen Mega-Events ebenso zuständig ist wie für die Gestaltung der Regeln (wohingegen in Deutschland die Abläufe der “Kanzlerduelle” bislang in Hinterzimmerrunden zwischen Politik und Medienanstalten ausbaldowert wurden).
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Schlagworte: Debates, Election, McCain, Obama, TV-Duell, US-Wahl
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Sonntag, 22. Juni 2008 by internetundpolitik
Etwas reißerisch, aber doch: E-Voting - Wahlcomputer für Deutschland lautet der Titel eines Arbeitsgesprächs, das bereits am kommenden Dienstag (24.6.2008) am Institut für Politikwissenschaft der JLU Gießen stattfindet (für Interessierte vor Ort: ab 14 Uhr im Phil II, Haus E, Raum 106).
Studierenden aus meinem Lehrforschungsprojekt Medialisierung von Wahlen ist es doch tatsächlich gelungen, Vertreter der zwei “Streitparteien” an einen Tisch zu bekommen: aus Berlin kommt Constanze Kurz, die einerseits an der Humboldt-Universität arbeitet, vor allem aber als Mitglied des Chaos Computer Club für Furore gesorgt hat. Aus Südhessen reist Bernhard Emrich an, der als Wahlamtsleiter der Stadt Langen im Januar den Einsatz elektronischer Wahlgeräte zur hessischen Landtagswahl koordiniert hat - und dabei (neben anderen) ins Visier von Datenschützern und Öffentlichkeit geraten ist. (Ach ja, ich selbst sitze auch mit am Tisch, werde mich aber mit Wortbeiträgen zurück halten und vor allem interessiert zuhören.)
Einiges Hintergrund-Material zur Thematik findet sich hier im Weblog, ein etwas ausführlicherer Artikel liegt bei Telepolis Online zur Ansicht aus. Außerdem lesenswert: die Dokumentation des CCC zu den Wahlbeobachtungen anlässlich der Landtagswahl vom 27.1.2008.
Update (23.6.): Wer hätte das gedacht - die Veranstaltung zieht ihre Kreise. Neben Bernhard Emrich wird mit Michael Fleischer (Viernheim) noch ein zweiter Wahlamtsleiter die Gelegenheit zum Arbeitsgespräch nutzen. Das rege Interesse zeigt, dass es ganz offenbar einen Bedarf gibt, sich “post festum” mit den Bedingungen des Einsatzes elektronischer Wahlgeräte auseinanderzusetzen - das hitzige Klima im unmittelbaren Umfeld der Wahlen im Januar hatte eine solche Diskussion bislang erschwert bzw. völlig verhindert. Wir sind gespannt…
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Freitag, 6. Juni 2008 by internetundpolitik
Wie kürzlich bereits angedeutet, nimmt im Juli das Forschungsprojekt Interactive Science am ZMI endgültig seine Arbeit auf. Dazu ein wichtiger Hinweis - im von mir mitverantworteten Teilprojekt Kollaboratives Wissensmanagement und Demokratisierung von Wissenschaft ist eine Stelle ausgeschrieben (es schadet nichts, wenn man sich ein wenig mit Weblogs auskennt…).
Die wesentlichen Daten:
- Dotierung: 1/2-Stelle BAT IIa
- Befristung: 1.7.2008 - 30.6.2011
- Umgebung: Gießen, mit gelegentlichen Arbeitsaufgaben in Essen (am KWI)
- Weiterbildung: erwünscht, Anbindung an GCSC möglich
- Bewerbung: bis 19.6.2008
Zum Volltext der Ausschreibung.
Schlagworte: Interactive Science, Stellenausschreibung, Weblogs, Wissenschaft
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Sonntag, 25. Mai 2008 by internetundpolitik
Die Thematik wurde neulich schon kurz gestreift: warum gibt es eigentlich so wenige bloggende Professoren? Aufgebracht wurde die leicht provokante, schön zugespitzte Fragestellung unter anderem in der Wissenswerkstatt, wo Chef-Schrauber Mark Scheloske ausführlich verschiedene Aspekte des W-Blogging skizziert hat. Seine These von der Demokratisierung der Wissenschaftskommunikation durch Blogs wird künftig auch in einem neuen Arbeitszusammenhang am ZMI thematisiert werden - im Sommer nimmt das aus Mitteln der VW-Stiftung geförderte Projekt Interactive Science - Interne Wissenschaftskommunikation über digitale Medien seine Arbeit auf (vgl. die ZMI-Pressemitteilung hier).
Dieser Rahmen sollte künftig den Raum geben, um sich ausführlicher mit Fragen des wissenschaftlichen Bloggens bzw. des Bloggens als Wissenschaftler bzw. der wissenschaftlichen Blogosphäre widmen zu können (allein die genauere Differenzierung dieser drei Bereiche wäre schon eine nicht unspannende Angelegenheit). Derzeit läuft ein erstes “Abtasten” des empirischen Untersuchungsraumes, der sich jenseits des bewilligten Forschungsantrages inzwischen aufspannt - eingereicht wurde der Antrag im Herbst vergangenen Jahres, der Zuschlag kam im April, der eigentliche Projektstart ist im Juli. Dass sich mittlerweile einiges getan hat, zeigen Blogposts wie der oben erwähnte, das Aufkommen kommerzieller Portale wie ScienceBlogs (Burda) oder Scilogs (Spektrum der Wissenschaft), aber auch Grassroot-Aktivitäten wie die Hard Blogging Scientists oder das Wissenschafts-Café.
Zumindest auf einen Punkt sei gewissermaßen “aus dem Stand” und aus eigener Erfahrung an dieser Stelle hingewiesen: der populäre Drive der Blogosphären-Debatte, dass Professoren nicht (oder nur extrem selten) bloggen würden, verkennt mE die inzwischen massiv angestiegenen Anforderungen an jene wissenschaftliche Online-Kommunikation, die hinter den virtuellen Campus-Mauern stattfindet. Gemeint ist damit die Betreuung von Seminaren und Vorlesungen auf den so genannten “Lehr- und Lernplattformen” wie Stud.IP, Ilias oder Moodle. Im Zuge der Entwicklung und des wachsenden Einsatzes solcher E-Learning-Angebote multipliziert sich die Notwendigkeit der Bereitstellung von “wissenschaftsnahen” Inhalten in zum Teil “Blog-ähnlichen” Strukturen. Dabei besteht eine gewisse Absorptionsgefahr - denn Texte, Ideen, Kommentare oder Hinweise, die begleitend zu einer Lehrveranstaltung publiziert werden, verfügen immer schon über eine “Rahmung” und sind daher weniger aufwändig in der Erstellung. Den gleichen Sachverhalt für ein extern lesbares Blog aufzubereiten, erfordert einen höheren Aufwand, denn schließlich begibt sich der bloggende Wissenschaftler in den Bereich der öffentlichen Debatte - und dort möchte man doch bitteschön ordentlich und seriös auftreten.
Gewiss - in Deutschland hat “wissenschaftliches Bloggen” vermutlich einen besonders schweren Stand, man kennt ja die Verkrampftheit, mit der sich der deutsche Elfenbeinturm neueren Kommunikationsformen zuwendet (vgl. die Diskussion um die (mindestens!) kulturzersetzende Wirkung von Powerpoint). Leuchtende Beispiele gibt es auch, aber eher anderswo - was passiert, wenn sich ein etablierter Wissenschaftler auf das Medium Weblog einlässt und damit experimentiert, zeigt das Beispiel des MIT-Professors Henry Jenkins. Mit seinen Confessions of an Aca-Fan leistet er im besten Sinne einen Beitrag zur Demokratisierung der wissenschaftlichen Kommunikation, indem er zum Beispiel Studierende als Gastautoren integriert, die dort mehrseitige Paper aus Seminarveranstaltungen platzieren. Außerdem finden sich Field Notes, Interviews, Essays, Tagungsberichte, Kommentare et cetera - das Resultat ist ein Steinbruch unterschiedlichster Materialien aus seinem Forschungsbereich.
Hierzulande jedoch scheint Jenkins´ extrem offene Interpretation des Spielfeldes Weblog schlichtweg nicht denkbar - das akademische Umfeld würde pikiert die Nase rümpfen und sich schnell wieder der “wirklichen Wissenschaft” zuwenden: Büchern und Zeitschriften, den alt-europäischen Ikonen der Wissenschaftskommunikation.
Schlagworte: Interactive Science, Science Blogs, W-Blogs
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Samstag, 10. Mai 2008 by internetundpolitik
Neuerscheinung!
Nennstiel, Sabrina/Bieber, Christoph (8.5.2008, 19.50 Uhr):
Jonah Neo (53 cm, 3560 g)
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Montag, 5. Mai 2008 by internetundpolitik
Hier mein Lieblingsabsatz aus der Laudatio von Harald Schmidt für (an?) Alice Schwarzer anlässlich der Verleihung des Ludwig-Börne-Preises:
Börne verübelte Goethe weniger dessen literarische Übermacht als vielmehr seine politische Gleichgültigkeit: „Nie hat er ein armes Wörtchen für sein Volk gesprochen, er, der, früher auf der Höhe seines Ruhmes unantastbar, später im hohen Alter unverletzlich, hätte sagen dürfen, was kein anderer wagen durfte.“ Näher bei den Menschen war Börne, der seine Hand zur Reinigung ins Feuer halten wollte, sollte sie ihm ein König drücken. Im Gegensatz zu seinem zweiten großen Gegner Heine, der erklärte, „dass ich, wenn mir das Volk die Hand gedrückt, sie nachher waschen werde“.

Näher bei den Menschen - ein schöner Twist zum Claim des Deutschland-Dialogs der SPD und deren Tourleiter Kurt Beck. Doch der SPD-Vorsitzende war in Schmidts Rede (die teilweise wie eine XXL-version eines Stand-Ups in früheren Late-Night-Zeiten wirkt) in prominenter Gesellschaft - auch Charlotte Roche und Heidi Klum fanden Erwähung, dank gelenkiger Rhetorik auch Joschka Fischer und sogar Bret Easton Ellis. Wie das nun alles zusammenpasst, wäre durch eine tiefenscharfe Vollinterpretation zu klären.
Winfried Menninghaus, übernehmen Sie!
Schlagworte: Alice Schwarzer, Harald Schmidt, Kurt Beck, Ludwig Börne
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Freitag, 11. April 2008 by internetundpolitik
Im Durcheinander des Semesterstarts mussten die eigentlich zwingenden Themen für´s Blog leider in der Schublade bleiben. Auf dem Stapel liegen derzeit u.a.: Warum bloggen Professoren nicht? (Weil sie auch noch die uni-internen Lernplattformen bespielen müssen), Wer wählt in Europa elektronisch? (neben Estland noch Irland und Schottland, demnächst wohl auch Litauen), Wie läuft´s im US-Vorwahlkampf? (die einen sagen so, die anderen so). Nun aber zu etwas ganz anderem:

Um einen völligen Blog-Stillstand zu vermeiden daher nur kurz der Hinweis auf einen weiteren Vortrag, diesmal zum Thema “Ist PowerPoint böse?” im Rahmen des Workshops Powerpoint, Office und die Folgen am Erwin-Schrödinger-Zentrum der Humboldt-Universität Berlin. In der Ankündigung heißt es:
“Office-Pakete sind wie Leitzordner Kennzeichen moderner Bürokratie. Powerpoint ist das globale Kommunikationsmittel der Verwaltung, im Verkauf und in der Wissenschaft. Solche Monokulturen haben ihre Vorzüge, ihre Eigenheiten, aber auch ihre Nachteile. Der Workshop soll einen Blick auf diese Phänomene werfen.”
Eine der interessanteren Beobachtungen bei der Vorbereitung war, dass sich die führenden PowerPoint-Forscher nun auch verstärkt um das visuelle Interface des iPhone zu kümmern scheinen - Edward Tufte jedenfalls gefällt der cartoon-artige Style der iPhone-Symbole offenbar nicht besonders gut. (Die herrliche Grafik oben stammt aus dem hervorragenden Weblog PresentationZen von Garr Reynolds).
Schlagworte: iPhone, PowerPoint, Tufte
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Mittwoch, 26. März 2008 by internetundpolitik
Zum Ende des Semesters noch eine kurze Vortragsreise nach Dublin, zur Konferenz des European Parliaments Research Initiative (EPRI) - das Thema der Veranstaltung ist spannend (wenn auch etwas länglich formuliert): The Digital Dividend: How Parliamentarians can secure greater voter participation at elections and increased public interest in politics using Information and Communication Technologies.

Das Setting ist zwar eher analog (vgl. oben), aber ich soll über Kampagnenführung im Web 2.0 sprechen, der Titel klingt etwas sperrig: “Addressing the constituency through social networks: how to succeed, how to fail”.
Im Mittelpunkt steht dabei die These, dass sich professionelle politische Kampagnenführung von der Idee einer möglichst vollständigen Kontrolle über die Inhalte der Kampagne (und der öffentlichen Inszenierung des/der Kandidaten/Kandidatin) wohl wird verabschieden müssen. Die zugehörige Präsentation stelle ich auf Nachfrage gerne zur Verfügung (Achtung: schlappe 8 MB), evtl. gibt es auch noch eine digitale Tagungsdokumentation.
Auch spannend: Vertreter des irischen und des estnischen Parlaments berichten über die (größtenteils erfolgreichen) Erfahrungen mit dem Einsatz von E-Voting-Systemen.
Schlagworte: E-Campaigning, E-Voting, EU, Parliament, US Primary
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Mittwoch, 5. März 2008 by internetundpolitik
Nach dem erneuten split vote zwischen Barack Obama und Hillary Clinton muss man sich wohl auf eine so genannte brokered convention gefasst machen: keinem der beiden wird es bis zur Democratic National Convention vom 25. bis zum 28. August in Denver gelingen, die nötige Zahl von Delegierten für eine erfolgreiche Nominierung zu erringen. Entschieden wird die Kandidatenfrage der Demokraten also erst im Rahmen des üblicherweise als Krönungsmesse zelebrierten Parteitages.
Neben der 1:0-Berichterstattung zum Verlauf der primaries, die sich hierzulande breit macht, scheint es an der Zeit, sich mit den Abläufen und der Bedeutung einer brokered convention vertraut machen. Außerdem dürfte ein alter Bekannter in der nächsten Zeit wichtiger werden - Howard Dean sitzt als Vorsitzender des Democratic National Committee an einer der Schaltstellen für die Organisation des innerparteilichen Wahlkampfs.
Als Einstieg in die Vorbereitung auf die Schlussphase der Vorwahlen empfiehlt sich die Kenntnisnahme der beiden Schlussepisoden aus der sechsten Staffel von The West Wing (Ausstrahlung in 2005): die Folgen “Things Fall Apart” und “2162 Votes” schildern die Ereignisse beim parteiinternen Nominierungswettstreit um die demokratische Präsidentschaftskandidatur.
Eine erweiterte media diet könnte dazu noch O Brother, Where Art Thou (Mississippi Primary, 11. März) vorsehen, für den Abschluss auf enorm historischem Boden (Pennsylvania Primary, 22. April) eignen sich unter anderem Philadelphia, das Philadelphia-Experiment oder gleich die Rocky-Saga.
Schlagworte: brokered convention, Clinton, Denver, Obama, West Wing
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